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Pharmakodynamik
- Welches ist der Wirkungsmechanismus von Alprazolam, bzw. von Benzodiazepinen?
- Wie unterscheidet sich Alprazolam bezüglich seiner Wirkungseigenschaften von anderen Benzodiazepinen?
Pharmakokinetik
- Wie wird Alprazolam abgebaut? Bei welchen Substanzen könnte es bei einer Kombination mit Alprazolam zu pharmakokinetischen Interaktionen und damit verbundenen allfälligen unerwünschten Wirkungen kommen?
- Welches sind die pharmakokinetischen Unterschiede zwischen Xanax® und Xanax® Retard?
Wirksamkeit
- Wirkt Xanax® bei allen Formen von Angst und Panik?
- Wie steht es mit der Erfahrung bezüglich Wirksamkeit von Xanax®, bzw. Xanax® retard bei Langzeittherapien von Angszuständen? (mehr als 12
Monate)?
Abhängigkeitsrisiko
- Stimmt es, dass das Abhängigkeitsrisiko bei Xanax® Retard gegenüber Xanax® gesenkt werden konnte?
Verträglichkeit
- Darf Xanax® bei schwangeren Frauen angewendet werden?
- Stimmt es, dass im Falle einer Therapie mit Benzodiazepinen (und Alprazolam im besonderen) ein erhöhtes Unfallrisiko besteht?
Pharmakodynamik
Welches ist der Wirkungsmechanismus von Alprazolam, bzw. von Benzo-diazepinen im Allgemeinen?
- Die anxiolytische und (i.d.R. bei höheren Dosierungen) krampfverhindernde Wirkung der Benzodiazepine1,2 beruht auf einem agonisierenden (d.h. wirkungssteigernden) Effekt auf die inhibitorische Neurotransmitter-Aktivität von GABA-ergen Neuronen, die bei der Unterdrückung von Angstreaktionen und Panikattacken, sowie einer Vielzahl anderer emotionaler und motivationsrelevanter Prozesse eine dominante Rolle spielen3. Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) ist der wichtigste zentral hemmende Überträgerstoff1,2. Je nach der inhibitorischen Wirkstärke der Benzodiazepine auf die GABA-ergen Neurone und die Interaktion mit den verschiedenen Neurotransmitter-Systemen in den jeweils relevanten Hirnregionen stehen je nach Benzodiazepin entweder die anxiolytische, die antikonvulsive, die sedativ/hypnotische, bzw. eine muskelrelaxierende Wirkung im Vordergrund4a-4c.
- Strukturell und wirkungsmässig unterscheidet sich Alprazolam von den übrigen Benzodiazepinen durch seinen Triazolo-Ring: Dieser verleiht dem Medikament zusätzlich zu den durch die Grundstruktur gegebenen (und mit den übrigen Benzodiazepinen geteilten) angstlösenden und krampfverhindernden Wirkungs-eigenschaften, auch eine antidepressive Wirkung5.
| 1. |
Mutschler E. Arzneimittelwirkungen: Lehrbuch der Pharmakologie & Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. 7. Auflage, 1996. Seiten 161 ff. |
| 2. |
Mutschler E. (1996); Seite 128 |
| 3. |
Baumann P. Bryois C. Rationelle Anwendung von Benzodiazepinen. Informationsbroschüre für Ärzte.1999. Pharmacia & Upjohn AG. |
| 4.a. |
Müller WE. Die Wirkung der Benzodiazepine auf neuronaler Ebene. in: Hippius H. et al. Benzodiazepine: Rückblick und Ausblick. Springer Verlag.1986. pg.3 |
| 4.b. |
Mutschler E.1996. Seiten 126-127 und 274 ff. |
| 4.c. |
Charney DS. Noradrenergic function and the mechanism of action of antianxiety treatment. I. The effect of long-term alprazolam treatment.1985.Archives of General Psychiatry.1985.42(5):458-467 |
| 5. |
Huybrechts I. The pharmacology of alprazolam: A review. Clinical Therapeutics.1991.13 (1):100-116
Benzodiazepine: Rückblick und Ausblick. Springer Verlag.1986. pg.3 |
Wie unterscheidet sich Alprazolam bezüglich der gewünschten Wirkungseigenschaften von den anderen gängigen Benzodiazepinen?
- Alprazolam besitzt - bei vergleichsweise schwacher sedativer/ hypnotischer- und bei minimaler muskelrelaxierender Wirkung- zusammen mit Lorazepam im Vergleich zu den anderen gängigen Benzodiazepinen die stärkste anxiolytische Wirkung, gefolgt von Bromazepam und Dikaliumclorazepat1,2. Bei anderen Benzodiazepinen dagegen stellt eine krampfverhindernde (wie z.B. bei Clonazepam oder Clobazam), oder eine Muskelrelaxation (wie z.B. bei Tetrazepam) der am stärksten ausgeprägte Effekt dar, während beim Benzodiazepin Diazepam zwischen der anxiolytischen, der antikonvulsiven und muskelrelaxienden Wirkkomponente die Unterschiede zwischen den Wirkstärken nicht so deutlich ausgeprägt sind, wie bei anderen Benzodiazepinen. Dank seines vergleichsweise geringen sedativen/ hypnotischen Wirkungspotentials eignet sich Alprazolam für den längerfristigen Einsatz bei Patienten mit Angst- und Panikstörungen.
- Xanax® ist in der Schweiz das einzige Benzodiazepin, welches nebst der Therapie von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen auch für die Behandlung von Panik-Attacken zugelassen ist.
- Es ist wichtig zu beachten, dass Generika und Originalpräparate auch bei nachgewiesener Bioäquivalenz sich bezüglich der therapeutischen Wirkungen, sowie/oder bezüglich der Nebenwirkungen voneinander unterscheiden können3.
- Für eine detaillierte Übersicht über die stärke der qualitativen Wirkungen der wichtigsten Benzodiazepine bezüglich anxiolytischer, sedativer/hypnotischer, antikonvulsiver und muskelrelaxierender Wirkungseigenschaften, siehe die Graphik von G. Laux, Kolloquium No.4, 1985 in der Xanax®-Dosierungskarte.
| 1. |
Laux G. Kolloquium No.4. 1985 |
| 2. |
British Journal of Clinical Practice.1985.39.53-58, zitiert in: Hindmarch I. Biological and pharmacological aspects of the action of benzodiazepines. Updates on the Use of Benzodiazepines in General Practice.Royal Society Medicine Press.1998.Page 19-24 |
| 3. |
Woggon B. Behandlung mit Psychopharmaka. Aktuell und massgeschneidert. Verlag Hans Huber.1998 (1.Auflage).Seite 115 |
Pharmakokinetik
Wie wird Alprazolam abgebaut? Bei welchen Substanzen könnte es bei einer Kombination mit Alprazolam zu pharmakokinetischen Interaktionen kommen?
- Alprazolam wird ausschliesslich über das hepatische Isoenzym CYP3A4 der Zytochrom-P-450-Familie abgebaut1. Andere Leberenzyme des P-450-Systems sind am Abbau von Alprazolam nicht beteiligt (wie CYP2D6, CYP1A2, CYP2C9, CYP2C19 und andere)2. Eine Hemmung dieses Leberenzyms könnte zu einer erheblichen Zunahme der Alprazolam-Plasmakonzentration und mit dieser verbunden zu einer erheblichen Zunahme der pharmakologischen Wirkung (d.h. von gewünschten und unerwünschten Effekten) von Alprazolam führen.
- Aus diesem Grund sollte eine Kombinationstherapie mit Substanzen, die als potente Hemmer des hepatischen Isoenzyms CYP3A4 bekannt sind, wie z.B. den Antimykotika der Azol-Derivatgruppe wie Ketoconazol, Itraconazol, Miconazol ganz unterbleiben3, oder, wie im Falle von Fluvoxamin, Cimetidin, Nefazodon nur mit erhöhter Vorsicht, d.h. bei sichergestellter Therapie-überwachung, sowie nötigenfalls unter Reduktion der Alprazolam-Dosierung erfolgen3. Bei anderen als potentielle Hemmer von CYP3A4 bekannten Medikamenten, wie den Makrolid-Antibiotika (Erythromycin, Clarythromycin), den SSRI's: Fluoxetin, Sertralin, Paroxetin, sowie bei Dextropropoxyphen, hormonellen Verhütungsmitteln und bei Diltiazem sollte eine Kombination mit Alprazolam ebenfalls mit Vorsicht, d.h. unter Vornahme einer gegebenenfalls notwendig werdenden Alprazolam-Dosisreduktion erfolgen3.
- Bei einer geringen Zahl von Medikamenten könnte es zu einer Steigerung des Alprazolam-Metabolismus und infolgedessen zu einer Herabsetzung des therapeutischen Effekts kommen, wie z.B. beim Tabakrauchen und bei Propranolol)3. Bei Tabakrauchern ist deshalb gegebenenfalls eine geringfügige Dosiserhöhung in Betracht zu ziehen3.
- Bei einer sehr geringen Zahl von Medikamenten wurden bei einer gemeinsamen Gabe mit Alprazolam Erhöhungen der Plasmakonzentrationen der konkomitanten Substanz berichtet (so bei Imipramin, Lithium; seltene Fälle bei Digoxin). Bei einer ganzen Reihe von Medikamenten dagegen konnten klinisch gegenseitige Wechselwirkungen mit Alprazolam ausgeschlossen werden (Disulfiram, Warfarin, Phenytoin, Metronidazol)3.
- Aufgrund seines identifizierten metabolischen Abbauwegs (CYP3A4) sind zwischen Alprazolam und Medikamenten, die als Inhibitoren von CYP2D6 (z.B. Neuroleptika, div. Antidepressiva), oder anderen P-450-Isoenzymen bekannt sind, keine Wechselwirkungen zu erwarten.
| 1. |
Greenblatt DJ et al. Alprazolam Pharmacokinetics, Metabolism, and Plasma Levels: Clinical Implications. Journal of Clinical Psychiatry.1993.54(10:Suppl.): 4-11 |
| 2. |
Venkatakrishnan K.Greenblatt DJ et al. Alprazolam is another substrate for Human Cytochrome P-450-3A Isoforms. Journal of Clinical Psychopharmacology.1998.18(3): 256 |
| 3. |
Xanax®: Fachinformation des Arzneimittelkompendiums |
Welches sind die wesentlichen pharmakokinetischen Unterschiede zwischen Xanax® und Xanax® Retard?
- Pharmakokinetisch bestehen zwischen Alprazolam in der konventionellen Formulierung (Xanax®) und Alprazolam mit verzögerter Wirkstoff-Freisetzung (Xanax® Retard) nur Unterschiede bezüglich der Absorption1,2, die bei Xanax® Retard im Vergleich zu Xanax® verlangsamt/verzögert erfolgt. Bezüglich Distribution, Metabolisierung und Elimination bestehen zwischen gleichen Dosierungen beider Alprazolam-Formulierungen, insbesondere bei fortge-setzter Therapie, keine signifikanten Unterschiede1,2,4. Die Plasmakonzen-trationskurve von Xanax® Retard erscheint im Vergleich zu derjenigen von Xanax® dadurch sowohl bezüglich des Anstiegs und Zeitraums bis zum Erreichen der Plasmaspitzenkonzentration als auch bezüglich der darauffolgenden Abnahme der Konzentration in einer graduelleren, ausgedehnteren und abgeflachten Verlaufsform.
- Mit dieser Verzögerung der Wirkstoff-Freisetzung wird bei Xanax® Retard® eine Verlängerung der therapeutischen Wirksamkeit im ZNS auf 12 bis 24 Stunden erreicht (gegenüber 4-6 Stunden bei der konventionellen Xanax®-Formulierung). Durch diese Verlängerung der therapeutischen Wirkung, bzw. durch die Ausdehnung und Nivellierung der Plasmakonzentrationskurve wird einerseits das Risiko minimiert, dass am Ende der Wirkdauer der Retard-Tablette die pharmakologische Wirkung unter das therapeutische Mindestmass fällt und zu den mit einer solchen Absenkung assoziierten Angstdurchbrüchen und Panikattacken führt. Andererseits konnte das Risiko von unter Alprazolam vielfach beobachteten, mit Erreichen von Plasma-Spitzenkonzentrationen auftretenden exzessiven Nebenwirkungen, wie Sedierung oder Koordinations-probleme, minimiert werden2.
- Zu den zusätzlichen Vorteilen der verzögerten Alprazolam-Wirkstoff-Freisetzung bei Xanax® Retard gehören5:
- eine Reduktion der notwendigen Dosierungshäufigkeit2
- eine markante Reduktion der Sorge um die rechtzeitige nächste Medikation2
- die Vermeidung von Hochdosierungen (zwecks Verhinderung von Angst-/Panik-durchbrüchen bei minimalen Plasmakonzentrationen) und den damit verbundenen Nebenwirkungsrisiken2
- Reduktion von Durchbruchs-, bzw. Entzugssymptome beim Absetzen, bzw. bei Dosisreduktionen2
- Deutliche Verbesserung der Compliance dank der Dosierungsvereinfachung2
- Reduktion des Medikamenten-Abusus-Verhaltens3.
| 1. |
Wright C.E. Clinical pharmacokinetics of alprazolam extended release: A summary. Current Therapeutic Research. 1995.56 (9): 947 - 956 |
| 2. |
Alexander PE. The need for extended-release medications. Current Therapeutic Research. 1995.56(9): 940-946 |
| 3. |
Mumford G. Alprazolam absorption kinetics affects abuse liability. Clinical Pharmacology & Therapeutics. 1995.57.356-365 |
| 4. |
Xanax®/Xanax® Retard: Fachinformation |
| 5. |
Xanax® Retard (Alprazolam): Verbessert und vereinfacht die Behandlung von Angstzuständen und Panikattacken. 4-seitiger Promotionsfolder. |
Wirksamkeit
Wirkt Xanax® bei allen Formen von Angst und Panik?
- Zu den zugelassenen Indikationen von Xanax®, bei denen in kontrollierten klinischen Studien der Nachweis einer signifikanten Wirksamkeit erbracht worden ist, gehören der folgende umfassende Katalog von Störungen des Angst- und Panik-Formenkreises:
- Angstzustände, einschliesslich psychosomatischer Störungen (jeglichen Ursprungs).
- Angstzustände in Verbindung mit Depressionen, aber nicht als Behandlung erster Wahl.
- Angstsymptome in Verbindung mit funktionellen oder organischen Erkrankungen.
- Behandlung von Panikstörungen; Prävention/Blockierung von Panikattacken bei Patienten mit Agoraphobie und Panikattacken.
| 1. |
Xanax®: Fachinformation des Arzneimittelkompendiums |
Wie steht es mit der Erfahrung bezüglich Wirksamkeit von Xanax®, bzw. Xanax® Retard bei Langzeittherapien von Angszuständen? (mehr als 12 Monate)?
- Im Gegensatz zur Vielzahl von publizierten Studien zur Langzeiterfahrung mit Alprazolam bei Patienten mit Panik-Störungen ist die Literatur zu Langzeitbehandlungen bei Patienten mit einer Angststörung begrenzt. Die vorhandenen Daten beschränken sich auf zwei retrospektive Untersuchungen an kleineren Gruppen von PatientInnen, die Alprazolam über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr zur Behandlung von meist mehr als einer Indikation (Angst-/Panikstörungen, Depressionen, Schlaflosigkeit) erhielten.
- In der ersten von zwei Studien von M. Romach1 (1991) wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Alprazolam bei 25 PatientInnen mittels eines Fragebogens untersucht, die Alprazolam während mehr als 3 Monaten (im Durchschnitt während 104 Wochen) und bei einer Durchschnittsdosierung von 0,5mg/Tag (Range: 0,25mg bis 4,5mg/Tag) einnahmen. 84% der PatientInnen litten unter Angststörungen, 45% unter Panikattacken, sowie je 41% unter Depressionen und Schlafstörungen, wobei bei den meisten PatientInnen (65%) mehr als eine dieser psychiatrischen Störungen (oder anderen) gleichzeitig vorlagen. Die meisten PatientInnen besassen zu Beginn der Alprazolam-Behandlung eine Krankengeschichte von vorausgegangenen psychi-atrischen Störungen (v.a. Depression und Alkohol-Abusus) und hatten vor Beginn der Alprazolam-Therapie mit anderen Psychopharmaka behandelt werden müssen. Andere Benzodiazepine und Antidepressiva waren dabei die am meisten verwendeten Medikamente. 54% der PatientInnen gaben an, dass mit Alprazolam eine anhaltende höchst effektive Kontrolle der Symptome erreicht werden konnte. Eine Mehrheit der PatientInnen wechselte im Verlaufe der fortgesetzten Behandlung vom ursprünglichen Dosierungsschema zu einer Dosierung gemäss Bedarf.
- In der zweiten Studie von M. Romach2 (1995) wurden Wirksamkeit und Verträg-lichkeit einer Langzeitbehandlung von Alprazolam mit Lorazepam bei PatientInnen verglichen, die das Medikament abzusetzen beabsichtigten. 34 PatientInnen hatten eine durchschnittliche Alprazolam-Tagesdosis von 1,2mg während durchschnittlich 42 Monaten eingenommen, im Vergleich zu 97 PatientInnen, die eine mittlere Lorazepam Tagesdosis von 2,7mg während durchschnittlich 74 Monaten applizierten. Die Mehrheit der PatientInnen beider Behandlungsgruppen litten unter Angststörungen (Alprazolam: 85%, Lorazepam: 74%), doch lagen bei den meisten PatientInnen mehr als eine psychiatrische Störung vor (Panik-Störungen, Depressionen, Schlaflosigkeit, andere). Ein erheblicher Anteil der PatientInnen beider Behandlungsgruppen litten zudem an einer Alkohol, oder Substanz-Abusus-Problematik. Eine anhaltende höchst effektive Kontrolle der Symptome zum Zeitpunkt der Untersuchung wurde bei 55% der PatientInnen der Alprazolam-Gruppe angegeben, im Vergleich zu 38% der Lorazepam-Gruppe. Über 90% aller PatientInnen beider Behandlungsgruppen hatten im Verlaufe der Benzodiazepin-Therapie versucht, das Medikament abzusetzen, doch scheiterte dieses Ansinnen in einer Vielzahl der Fälle am fortgesetzten Bedarf nach einer wirksamen Symptomkontrolle. Bei allen PatientInnen (100%) beider Behand-lungsgruppen traten im Verlaufe der Ausschleichphase Absetz-Symptome auf.
- Zudem wurde eine Langzeitstudie gefunden, in der 52 Patienten mit einer generalisierten Angststörung in Verbindung mit Panikstörungen zwischen 12 bis 18 Monaten nach Beendigung einer 9-11-wöchigen Studie mit Alprazolam zu den Angst-Symptomen und ihren Funktionsbeeinträchtigungen befragt wurden3. Dabei berichteten 78% aller Patienten gänzliches Fehlen oder minimale Angstsymptome und 89% der Patienten gaben an, an keinerlei oder höchstens minimalen Funktionseinschränkungen zu leiden (gegenüber 100% aller Patienten mit Angststörungen und 57% mit Funktionseinschränkungen zu Beginn der Alprazolam-Behandlung). 64% der Patienten werteten die Teilnahme an der Studie ingesamt als sehr positiv und signalisierten im Zusammenhang mit dieser Erfahrung die Bereitschaft, auch inskünftig wieder an einer klinischen Studie teilzunehmen.
| 1. |
Romach MK. et al. Long-term alprazolam use: Abuse, dependence or treatment? Psycho-pharmacology Bulletin.1991.27:3:391-395 |
| 2. |
Romach MK et al. Clinical Aspects of chronic use of alprazolam and lorazepam.American Journal of Psychiatry.1995.152(8): 1161-1167 |
| 3. |
Klein E. et al. et al. Subjective experience and attitudes towards participation in cinical trials among patients with anxiety disorders. Israel Journal of Psychiatry & Related Sciences.1997.34(4): 265-269 |
Abhängigkeit
Stimmt es, dass das Abhängigkeitsrisiko bei Xanax® Retard gegenüber Xanax® gesenkt werden konnte?
- Ja, zu diesem Schluss durfte man mit Bezug auf das Abususpotential aufgrund der Resulate einer plazebo-kontrollierten Vergleichsstudie an 14 Probanden gelangen, die verschiedene Einzeldosierungen von konventionellem Alprazolam (1mg, 2mg) und Alprazolam Retard (2mg und 3mg) erhielten. Diese Studie konnte zeigen, dass 2mg der Retard-Formulierung von Alprazolam dank seines verzögerten Wirkungseintritts (Erreichen der Plasmaspitzenkonzentration erst nach 5-11 Stunden) gegenüber allen Stärken von konventionellem Alprazolam ein signifikant reduziertes Potential zur Auslösung von sogenannten „euphorischen", bzw. „wohlbehaglichen" Gefühlen besitzt, und im Gegensatz zu konventionellem Alprazolam keine Bereitschaft zur repetierten Einnahme erzeugt1. Aus diesem Grund kann man zurecht sagen, dass die Retard Form von Alprazolam bei äquivalenter therapeutischer Wirksamkeit ein deutlich geringeres Abusus-/-Abhängigkeitspotential besitzt, als konventionelles Alprazolam.
- Eine Vielzahl von wissenschaftlicher Studien hat gezeigt, dass generell bei potenten Benzodiazepinen mit rasch einsetzender Wirkung, bzw. rascher "Anflutung" (Diazepam, Lorazepam, konventionelles Alprazolam) eine entschieden grössere Gefährdung zur Entstehung einer Abusus, bzw. Abhängigkeitsproblematik besteht, als bei Benzodiazepinen mit einer langsamer einsetzenden Wirkung2-4. Aus diesem Grund durfte man sich bei der Entwicklung von Alprazolam Retard zurecht eine Verbesserung dieser Problematik erwarten.
- Einschlägige klinische Vergleichsstudien zwischen Xanax® und Xanax® Retard zur medikamentösen Abhängigkeitsentwicklung im Verlaufe einer Langzeittherapie liegen bisher keine vor.
- Im Rahmen einer 6-wöchigen, plazebo-kontrollierten Vergleichsstudie bei Patienten mit Panikstörungen konnte bei Xanax® Retard im Vergleich zu konventionellem Xanax® nach Beendigung einer 16-wöchigen Ausschleich-phase und einer anschliessenden 4-wöchigen behandlungsfreien Beobachtungsperiode die Zahl von Panik-Attack-Rückfällen, sowie die Zahl von "Rebound-Effekten" (Ausschleichsymptome) reduziert werden,6.
| 1. |
Mumford GK tal. Alprazolam absorption kinetic affects abuse liability. Clin Pharmacol Ther.1995.57.356-365 |
| 2. |
Griffiths RR. et al. Comparison of diazepam and oxazepam: Preference, liking and extent of abuse. J Pharmacol Exp Ther.1984.229:501-508 |
| 3. |
Griffiths RR. et al. Relative abuse liabilit of different benzodiazepines in drug abusers. J Clin Psycho-pharmacol.1990.10.237-243 |
| 4. |
Sellers EM. Alprazolam and Benzodiazepin Dependence.J Clin Psychiatry.1993.54(10 Suppl.) 64-75 |
| 5. |
Sieb JP, Laux G. Exkurs: Abusus und Abhängigkeit von Benzodiazepinen. In: Neuropsychopharmaka. Ein Therapiehandbuch. Bd2. Tranquilizer und Hypnotika. P. Riederer, G. Laux , W. Pöldinger (eds.) Springer Wien, New York. 1992. S111-133 |
| 6. |
Pecknold J. et al. Alprazolam-XR in the management of anxiety: Discontinuation. Psychiatric Annals. 1993 (Suppl.): S38-S44 |
Verträglichkeit
Darf Xanax® bei schwangeren Frauen angewendet werden?
- Der Einsatz von Alprazolam während des ersten Schwangerschaftstrimesters ist kontraindiziert1, da für den menschlichen Foetus ein nachgewiesenes teratogenes Risiko nach einer Benzodiazepin-Verabreichung im ersten Trimester besteht (Schwangerschafts-Kategorie D).
- In den folgenden Schwangerschaftsmonaten sollte Alprazolam nur dann appliziert werden, wenn der Nutzen für die Mutter das Risiko für das Ungeborene übersteigt1.
- Sofern Alprazolam in der späten Phase der Schwangerschaft (im 3. Trimester) oder während des Geburtsvorgangs verabreicht, so muss mit pharmakologischen Wirkungen beim Neugeborenen, wie Hypothermie, Hypotonie, sowie mit einer respiratorischen Depression gerechnet werden1. Bei Kindern von Müttern,die in der späten Schwangerschaft chronisch Benzodiazepine einnahmen, ist die Entwicklung einer physischen Abhängigkeit und mit dieser verbunden das Auftreten möglicher Entzugserscheinungen nach der Geburt denkbar1.
| 1. |
Fachinformation Xanax®/Xanax® Retard |
Stimmt es, dass bei älteren Patienten im Falle einer Therapie mit Benzodiazepinen (und Alprazolam im besonderen) ein erhöhtes Unfallrisiko besteht?
- Aufgrund zahlreicher epidemiologischer Studien konnte gezeigt werden1,3,4, dass bei älteren Patienten ein erhöhtes Unfallrisiko bei einer Einnahme von Benzodiazepinen mit einer langen Eliminationshalbwertszeit (und zudem. bei solchen Benzodiazepinen, die über mikrosomale Oxidation abgebaut werden) besteht (Stürze infolge einer muskelrelaxierender Wirkung oder/und Koordina-tionsschwierigkeiten; Unfälle beim Autofahren infolge möglicher Verwirrtheits-zustände2), da es bei diesen Medikamenten infolge der verlangsamten Elimination zu einer Akkumulation von pharmakologisch aktiver Substanz und zu einer Potenzierung der kognitiven und psychomotorischen Nebenwirkungen kommen kann. Bei Benzodiazepinen mit einer relativ kurzen Eliminationshalbwertszeit sind Unfälle bei - wie z.B. Alprazolam - älteren Patienten unter Einhaltung der für diese Patientengruppe geltenden Dosierungsvorschriften keine zu erwarten.
| 1. |
Greenblatt DJ et al. Clinical pharmacokinetics of anxiolytics and hypnotics in the elderly. Therapeutic considerations. Clinical Pharmacokinetics. 1991.21(3): 165-177 |
| 2. |
E. Mutschler. Arzneimittelwirkungen. WVA Stuttgart. 1996. 6. Auflage. Seiten 161 ff. 3. Mendelson WB. Clinical distinctions between long-acting and short-acting benzodiazepines. Journal of Clinical Psychiatry.1992.53.Suppl. 4-7 |
| 4. |
Kruse WH. Problems and ptifalls in the use of benzodiazepines in the elderly. Drug Safety.1990.5(5):328-344 |
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